12 Sep., 2025

Abgrenzung von Kieselgur, Perlit und Cellulose als Filterhilfsmittel in der Weinaufbereitung

12 Sep., 2025

Einleitung

Die Filtration spielt in der önologischen Praxis eine zentrale Rolle, um Weine von Trubstoffen, Hefen, Bakterien und kolloidalen Partikeln zu befreien. Dabei kommen seit Jahrzehnten mineralische und organische Filterhilfsmittel zum Einsatz, die unterschiedliche physikochemische Eigenschaften besitzen. Besonders verbreitet sind Kieselgur (Diatomeenerde), Perlit und Cellulosefasern. Eine klare Differenzierung dieser Materialien ist für die gezielte Auswahl und Anwendung in der Kellertechnik essenziell.


1. Kieselgur (Diatomeenerde)

Herkunft und Eigenschaften:
Kieselgur besteht aus den fossilen Skeletten einzelliger Kieselalgen (Diatomeen), die überwiegend aus amorphem Siliziumdioxid bestehen. Die feinen, filigranen Strukturen der Schalen weisen eine extrem hohe spezifische Oberfläche und Porosität auf.

Einsatz in der Weinbereitung:

  • Hauptsächlich in der Tiefenfiltration als Schichtbildner auf Filterplatten oder Trommelfiltern.

  • Besitzt eine sehr hohe Filtrationsleistung und ermöglicht die Abscheidung feinster Partikel.

  • Große Bandbreite an Korngrößen für differenzierte Filterstufen (grob → steril).

Limitationen:

  • Gesundheitsrisiken bei Stäuben (inhalierbares kristallines Silikat).

  • Höherer Verbrauch im Vergleich zu alternativen Hilfsstoffen.

  • Entsorgungsprobleme: belastete Filterkuchen gelten oft als Sonderabfall.


2. Perlit

Herkunft und Eigenschaften:
Perlit ist ein vulkanisches Glasgestein, das durch schnelles Abschrecken kieselsäurereicher Lava entsteht. Bei thermischer Expansion bildet es poröse, leichte Partikel mit unregelmäßiger Struktur.

Einsatz in der Weinbereitung:

  • Verwendung ähnlich wie Kieselgur, insbesondere in Schichtenfiltern.

  • Bietet eine hohe Porosität und Durchlässigkeit, jedoch mit etwas geringerer Filtrationsschärfe gegenüber Kieselgur.

  • Geringeres spezifisches Gewicht → niedrigere Verbrauchsmengen.

Limitationen:

  • Weniger präzise Fraktionierung der Porengrößen als bei Kieselgur.

  • Filtrationsschärfe begrenzt bei extrem hohen Anforderungen (z. B. sterile Filtration).


3. Cellulosefasern

Herkunft und Eigenschaften:
Cellulose als organisches Polysaccharid wird aus pflanzlichen Rohstoffen (z. B. Holz oder Baumwolle) gewonnen und mechanisch aufbereitet. Die langen Fasern besitzen im Gegensatz zu den mineralischen Materialien keine definierte Porenstruktur, sondern bilden ein faseriges Netzwerk.

Einsatz in der Weinbereitung:

  • Als Stützmatrix zur Stabilisierung von Kieselgur- oder Perlitschichten.

  • Reine Cellulosefiltration ist möglich, liefert aber eine geringere Klarheit und eignet sich vor allem für Grob- und Vorfiltration.

  • Zunehmend interessant aus ökologischer Sicht, da biologisch abbaubar.

Limitationen:

  • Geringere Filtrationsfeinheit im Vergleich zu mineralischen Hilfsmitteln.

  • Höhere Gefahr mikrobiologischer Durchbrüche bei reiner Verwendung.

  • In manchen Anwendungen problematisch in Bezug auf sensorische Neutralität (z. B. Adsorption flüchtiger Aromakomponenten).


4. Vergleichende Bewertung

Kriterium Kieselgur Perlit Cellulose
Herkunft fossile Diatomeen (mineralisch) vulkanisches Glas (mineralisch) pflanzlich (organisch)
Struktur porös, definiert, sehr fein porös, unregelmäßig faserig, netzartig
Filtrationsschärfe sehr hoch (steril möglich) mittel bis hoch gering bis mittel
Verbrauch hoch niedriger variabel
Entsorgung problematisch (Sonderabfall) leichter (mineralisch) biologisch abbaubar
Gesundheit Staubbelastung kritisch weniger kritisch unproblematisch

Fazit

Die Auswahl des Filterhilfsmittels ist stets eine Abwägung zwischen Filtrationsschärfe, Durchflussraten, Verbrauch, Umweltaspekten und Arbeitssicherheit.

  • Kieselgur bleibt der „Goldstandard“ für höchste Klarheit, ist aber ökologisch und arbeitshygienisch kritisch.

  • Perlit bietet eine gute Alternative mit reduziertem Verbrauch und geringeren Entsorgungsproblemen, erreicht jedoch nicht in allen Fällen die Filtrationsschärfe von Kieselgur.

  • Cellulose gewinnt in ökologischen Konzepten an Bedeutung, eignet sich aber primär in Kombination mit mineralischen Hilfsstoffen oder für weniger anspruchsvolle Filtrationsstufen.

Damit zeigt sich: Ein kombinatorischer Ansatz, bei dem die spezifischen Vorteile der einzelnen Materialien genutzt werden, ist für viele Kellereien der pragmatischste Weg.

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