Einleitung
Dezentrale Ölmühlen gewinnen zunehmend an Bedeutung – sowohl für regionale Wertschöpfung als auch für die Herstellung hochwertiger, kaltgepresster Speiseöle. Kaltpressung bedeutet, dass das Öl ohne Wärmezufuhr mechanisch aus Saaten oder Nüssen gewonnen wird, wodurch natürliche Inhaltsstoffe, Aromen und wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe erhalten bleiben. Gerade weil keine Raffination erfolgt, ist die Filtration ein kritischer Schritt, um ein optisch klares, sensorisch reines und haltbares Endprodukt zu erzielen. Hier haben sich Lignocellulosen als nachhaltige Filterhilfsmittel bewährt.
Besondere Anforderungen bei kaltgepressten Ölen
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Erhalt von Aromastoffen und Inhaltsstoffen: Eine zu aggressive Filtration könnte wertvolle Begleitstoffe entfernen.
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Hohe Trubstoffbelastung: Kaltgepresste Öle enthalten nach der Pressung Schwebstoffe, Wachse, Schleimstoffe und feinste Partikel.
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Schonende Verarbeitung: Oxidationsschutz und Vermeidung von Hitzeeintrag stehen im Vordergrund.
Diese Rahmenbedingungen erfordern Filterhilfsmittel, die sanft, effizient und ökologisch vertretbar wirken.
Funktionsweise von Lignocellulosen in der Mühlenpraxis
Lignocellulosen werden als Faserstoff in Schichtenfiltern oder Filterpressen eingesetzt. Dabei übernehmen sie mehrere Funktionen:
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Kuchenbildner: Sie bauen eine voluminöse, stabile Filterschicht auf, die auch bei hoher Partikelbelastung durchhält.
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Partikelabscheidung: Schwebstoffe und Wachse werden effektiv zurückgehalten, ohne die Ölmatrix übermäßig zu beeinflussen.
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Kombinationswirkung: In kleinen dezentralen Mühlen können sie mit geringen Mengen Kieselgur oder Perlit kombiniert werden, um die Filtrationsschärfe zu steigern.
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Verbesserung der Standzeit: Durch ihre Faserstruktur verhindern sie ein schnelles Verblocken der Filter und verlängern so die Betriebsintervalle.
Vorteile für dezentrale Ölmühlen
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Nachhaltigkeit: Lignocellulosen stammen aus nachwachsenden Rohstoffen und sind biologisch abbaubar. Gerade kleine Mühlen mit regionalem Anspruch profitieren vom ökologischen Profil.
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Einfache Entsorgung: Der verbrauchte Filterkuchen kann oftmals als wertvoller Presskuchen in der Futtermittelverwertung oder als Biomasse eingesetzt werden.
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Arbeitssicherheit: Staubarme Produkte erhöhen die Sicherheit in kleineren, oft handwerklich geprägten Betrieben.
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Schonung des Endprodukts: Im Gegensatz zu rein mineralischen Hilfsstoffen wirken Lignocellulosen sehr mild und bewahren die sensorische Authentizität kaltgepresster Öle.
Grenzen und praktische Hinweise
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Reinheit: Für Öle mit sehr hohen Klarheitsanforderungen (z. B. bei Premiumflaschenware) empfiehlt sich eine Kombination mit mineralischen Hilfsstoffen.
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Filtermanagement: Die Faserlänge und Dosierung müssen auf die jeweilige Ölsaat abgestimmt werden – Lein-, Raps- oder Walnussöl haben unterschiedliche Filtrationsprofile.
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Anpassung an Betriebsgröße: Kleine Ölmühlen profitieren besonders von den niedrigen Verbrauchsmengen und der leichten Handhabung.
Fazit
In dezentralen Ölmühlen, die kaltgepresste Öle herstellen, bieten Lignocellulosen eine ideale Kombination aus technischer Leistungsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Produktschonung. Sie tragen dazu bei, hochwertige, naturbelassene Speiseöle mit klarer Optik und langer Haltbarkeit zu gewinnen – ohne die sensorische Vielfalt, die kaltgepresste Öle so wertvoll macht, zu beeinträchtigen.