21 Feb, 2020

Ist Kieselgur gesundheitsgefährdend?

Im Internet wie auch in vielen europäischen Verordnungen finden sich immer wieder Hinweise darauf, dass Kieselgur generell krebserregend ist. In dem folgenden Beitrag soll im Detail auf diese Annahme eingegangen werden. Dieser Beitrag hat nicht den Anspruch medizinische Erkenntnisse in Frage zu stellen, sondern möchte lediglich das Mineral Kieselgur wie auch die aktuellen europäischen Verordnungen und Gesetzeslagen hinsichtlich des Gefährdungspotential von Kieselgur differenziert vorstellen.

Das Internationale Krebsforschungszentrum IARC (1997) stuft kristalline Kieselsäure die in Form von Quarz oder Cristobalit eingeatmet wird als kanzerogen für den Menschen ein. Nun stellt sich im ersten Schritt die Frage in wie fern der natürliche Rohstoff Kieselgur (Diatomeenerde, Diatomaceous Earth) kristalline Strukturen aufweist. Natürliche Kieselgur enthält in erster Linie tatsächlich Siliciumdioxid (SiO2), allerdings nicht in kristalliner, sondern in amorpher Form. In dem natürlichen Rohstoff Kieselgur bzw. Diatomeenerde, findet sich keine, bzw. nur Spuren von geordneten Si-O-Kristallgittern. Wie aber schon in vorherigen Beiträgen aufgeführt ist natürliche Kieselgur nur eine Aufbereitungsform des Minerals. Um das tatsächliche Gafahrenpotential von Kieselgur einordnen zu können muss also ins Detail gegangen werden.

Wie schon gesagt muss von 3 Aufbereitungsformen des Minerals Kieselgur ausgegangen werden. Dies spiegelt sich auch in der Tatsache wieder, dass den drei unterschiedlichen Aufbereitungsformen von Kieselgur auch drei unterschiedliche CAS Nummern (CAS = Chemical Abstracts Service) zugeordnet sind.

 

natürliche Kieselgur (CAS Nummer 61790-53-2)

kalzinierte Kieselgur (CAS Nummer 91053-39-3)

Soda Flux kalzinierte Kieselgur (CAS Nummer 68855-54-9)

 

Will man Kieselgur nun hinsichtlich ihres Gefahrenpotentials beurteilen, muss man sich die Aufbereitung des Minerals betrachten. Wie schon oben gesagt besteht Kieselgur in erster Linie aus amorpher Kieselsäure. (Im übrigen faszinierend dass die Natur derartige Strukturen hervorbringt). Als natürliche Kieselgur kann man ausschliesslich nur das getrocknete Mineral bezeichnen. Das Grubenfeuchte Mineral wird bei ca 300 °C getrocknet um eine Restfeuchte von ca 3-5 % zu erreichen. Bei diesem Trocknungsvorgang wird die innere Struktur des Minerals nicht zerstört. Die amorphe Struktur bleibt also erhalten. Bei kalzinierten Produkten wird die Kieselgur bei bis zu 900°C gebrannt. Dieser Verfahrensschritt wird gemacht um die innere feine Struktur der einzelnen Diatomeene zu zerstören. Hierbei wird auch die Restorganik aus dem Mineral gebrannt. Durch die hohen Temperaturen können Teile der amorphen Strukturen in kristalline Strukturen überführt. Wie hoch der Anteil der in kristalline Formen überführter Kieselsäure ist, hängt stark von den Prozessschritten und Verfahren ab. Selbiges passiert auch bei Flux-kalzinierter Kieselgur, allerdings bei noch höheren Temperaturen.

Man kann also im ersten Schritt festhalten, dass Kieselgur als solches nicht dass Gefährdungspotential darstellt, sondern der kristalline Anteil der auf Grund von Aufbereitungsverfahren in der Kieselgur entsteht. Das Gefahrenpotential lungengängiger kristalliner Kieselsäure wird hier in Europa über die Verordnung (EG) Nr. 1272/2008  Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen (CLP-Verordnung) geregelt.

Die EU reguliert die Kennzeichnungspflicht lungengängiger kristalliner Kiesel-säure (RCS) wie folgt:

 

natürliche Kieselgur, kalzinierte Kieselgur, Flux kalzinierte Kieselgur mit einem Anteil kleiner 1 % lungengängiger kristalliner Kieselsäure: keine Kennzeichnungsflicht

kalzinierte Kieselgur, Flux kalzinierte Kieselgur mit einem Anteil zwischen 1-10 % lungengängiger kristalliner Kieselsäure: KENNZEICHNUNGSPFLICHTIG

 

Die apj GmbH vertreibt insgesamt mehr als 50 unterschiedliche Kieselgur Typen als Handelsgüter. 2 der 50 Kieselgur-Typen unterliegen der Kennzeichnungspflicht und sind entsprechend mit einem Gefahren Piktogramm gemäß CLP Verordnung gekennzeichnet.  Darüber hinaus empfiehlt sich bei jedem Umgang mit Stäuben Schutzmaßnahmen zum Schutz der Haut, der Atemwege und Augen zu treffen. Detaillierte Hinweise hierzu finden Sie in unseren Sicherheitsdatenblättern. Die hier gemachten Angaben und Empfehlungen sind auf jeden Fall einzuhalten.

 

Wir hoffen auf diesem Weg ein wenig Klärung in die öffentliche Debatte über das Gefahrenpotential von Kieselgur gebracht zu haben.

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